Die selbst gezogene Tomate vom eigenen Beet schmeckt nach allem was Supermarkt-Tomaten nicht sind: süß, aromatisch, komplex. Wer einmal eine Black Krim oder San Marzano aus eigenem Anbau gegessen hat, hört nicht mehr auf. Dieser Leitfaden zeigt den gesamten Weg.
Die richtige Sorte wählen
- Rispentomate: Klassisch, robust, für Anfänger ideal (Harzfeuer, Fantasio)
- Fleischtomate: Groß, fleischig, wenig Kerne — perfekt für Saucen (San Marzano, Ochsenherz)
- Cocktailtomate: Klein, süß, sehr ertragreich — auch für Balkon (Tumbling Tom, Sweet 100)
- Alte Sorten: Für samenfeste Züchtung (Tigerella, Ananas, Black Krim) — einzigartiger Geschmack
Für Einsteiger: 2–3 verschiedene Sorten ausprobieren.
Aussaat: Februar bis März
Rückwärts rechnen: Aussaat 8–10 Wochen vor dem Auspflanzen-Termin (nach den Eisheiligen ca. 15. Mai → Aussaat Anfang März).
- Anzuchtschalen mit Anzuchterde füllen (kein normaler Kompost — zu nährstoffreich)
- Samen 0,5–1 cm tief legen, 2–3 Samen pro Topf
- Feucht halten, bei 22–25°C keimen lassen
- Nach dem Keimen: helle Position, 18–20°C
Wichtig: Nach dem Keimen viel Licht! Zu wenig Licht führt zu dünnen, schwachen Pflanzen.
Pikieren: Die Jungpflanze stärken
Sobald die Keimlinge 2–3 echte Blätter haben, in eigene 9-cm-Töpfe setzen. Besonderheit bei Tomaten: Tief einpflanzen bis unter die Keimblätter — der vergrabene Stängel bildet Wurzeln.
Abhärten und Auspflanzen
2 Wochen vor dem Auspflanzen täglich länger nach draußen stellen. Ins Freiland erst nach dem 15. Mai. Pflanzabstand: 60–70 cm. Tief einpflanzen. Sofort Rankhilfe (1,80 m) setzen und gut angießen.
Pflege: Ausgeizen und Gießen
Ausgeizen: Rispen- und Fleischtomaten auf einen Haupttrieb ziehen. Geiztrieb im Blattwinkel entfernen bevor er 2 cm groß ist. Cocktailtomaten können 2–3 Triebe haben.
Gießen: Gleichmäßig und regelmäßig — unregelmäßiges Gießen führt zur Blütenendfäule. Im Sommer täglich, immer von unten, nie Blätter nass machen.
Häufige Probleme
- Blütenendfäule: Braune Stellen unten an der Frucht. Ursache: Unregelmäßiges Gießen oder Calciummangel.
- Braunfäule: Pilzkrankheit bei feuchtem Wetter. Vorbeugung: Blätter trocken halten, Mulch als Spritzschutz.
- Blattrollkrankheit: Oft Wassermangel. Bewässerung optimieren.
Ernte und Lagerung
Tomaten reifen von unten nach oben. Bei gleichmäßiger Farbe und leichter Nachgiebigkeit ernten. Niemals in den Kühlschrank — verlieren Aroma und werden mehlig. Lagertemperatur: 18–20°C.
Fazit
Mit diesem Leitfaden bist du bestens gerüstet. Der Aufwand lohnt sich: Nichts schmeckt besser als die erste selbst gezogene Tomate mit etwas Salz und Olivenöl.